Neu­es Paper zu time-bin-kodier­ter Quan­ten­schlüs­sel­ver­tei­lung erschie­nen

Demons­tra­ti­on der ers­ten time-bin-kodier­ten QKD unter Nut­zung einer Quan­ten­punkt-Ein­zel­pho­to­nen­quel­le:

Die Quan­ten­schlüs­sel­ver­tei­lung (engl. Quan­tum Key Dis­tri­bu­ti­on) gilt als der reifs­te Zweig der Quan­ten­kryp­to­gra­phie und bie­tet unter klar defi­nier­ten Annah­men infor­ma­ti­ons­theo­re­ti­sche Sicher­heit für künf­ti­ge Quan­ten­net­ze. Festkörper‑Quantenlichtquellen wie Halb­lei­ter­quan­ten­punk­te sto­ßen auf gro­ßes Inter­es­se, da sie nicht­klas­si­sche Pho­to­nen hoher Qua­li­tät für die Quan­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on erzeu­gen, höhe­re siche­re Schlüs­sel­ra­ten ermög­li­chen und mit Quan­ten­re­pea­tern kom­pa­ti­bel sind. Die Kodie­rung von Infor­ma­ti­on im zeit­li­chen Frei­heits­grad pho­to­ni­scher Qubits, die sognen­ann­te Time-Bin‑­Ko­die­rung, zeigt gro­ßes Poten­zi­al für weit­räu­mi­ge Quan­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on in pra­xis­na­hen Sze­na­ri­en. Time-Bin‑­Qu­bits sind inhä­rent robust gegen­über Umwelt­ein­flüs­sen, die ver­leg­te Glas­fa­ser­stre­cken beein­träch­ti­gen.

Ein­zel­pho­to­nen, die von einem in ein pho­to­ni­sches Bau­ele­ment ein­ge­bet­te­ten Quan­ten­punkt emit­tiert wer­den, wer­den in eine Faser ein­ge­kop­pelt und von “Ali­ce” in drei unter­schied­li­che Zeit-Bin-Qubits kodiert. Nach der Ent­schlüs­se­lung durch “Bob” wird eine Fol­ge von Quan­ten­schlüs­seln zwi­schen den Nut­zern aus­ge­tauscht. Quel­le: Light: Sci­ence & Appli­ca­ti­ons (2026). DOI: 10.1038/s41377-026–02205‑9.

In einem Bei­trag in Light: Sci­ence & Appli­ca­ti­ons berich­tet ein inter­na­tio­na­les Team deut­scher und chi­ne­si­scher Uni­ver­si­tä­ten über die ers­te ech­te Demons­tra­ti­on von Time-Bin‑­QKD mit einem deter­mi­nis­tisch arbei­ten­den Halbleiter‑QD im Telekom‑Band. Drei ver­schie­de­ne Time-Bin‑­Qu­bi­t‑­Zu­stän­de wur­den mit­tels eines selbst­sta­bi­li­sier­ten Enco­ders deter­mi­nis­tisch erzeugt; Basis und Zustand wur­den dabei zufäl­lig gewählt. Der Enco­der kon­ver­tier­te pola­ri­sier­te Ein­zel­pho­to­nen eines QDs im Telekom‑C‑Band in Time-Bin‑­Zu­stän­de. Auf der Emp­fangs­sei­te deko­dier­te ein aktiv sta­bi­li­sier­tes Inter­fe­ro­me­ter mit Pha­sen­schie­ber die Pho­to­nen und ermög­lich­te einen mehr­stün­di­gen Betrieb ohne manu­el­les Nach­jus­tie­ren. Das Sys­tem erreich­te eine Über­tra­gungs­di­stanz von mehr als 120 km über eine Glas­fa­ser­ver­bin­dung zwi­schen Enco­der und Deco­der und zeig­te dabei über mehr als sechs Stun­den eine hohe Sta­bi­li­tät.

Der Mach­bar­keits­nach­weis erziel­te die höchs­te siche­re Schlüs­sel­ra­te unter Time-Bin‑­QK­D‑­Sys­te­men mit leis­tungs­fä­hi­gen QD‑Quellen. Die Quel­le lie­fer­te hel­le, hoch­rei­ne Ein­zel­pho­to­nen bei einer Betriebs­ra­te von rund 76 MHz. Das Sys­tem hielt durch­schnitt­li­che Quan­ten­bit­feh­ler­ra­ten (QBER) von unter 11 % bei 120 km Standard‑Glasfaser. Im pra­xis­na­hen Finite‑Key‑Regime blieb eine durch­schnitt­li­che siche­re Schlüs­sel­ra­te von etwa 15 Bit/s sta­bil – aus­rei­chend etwa für die Ver­schlüs­se­lung von Text­nach­rich­ten.

Erreich­te siche­re Schlüs­sel­ra­ten über gro­ße Ent­fer­nun­gen. Feh­ler­ra­te der Quan­ten­bits und erreich­ba­re Schlüs­sel­ra­ten über Glas­fa­ser­ent­fer­nun­gen. Die Ergeb­nis­se zei­gen eine maxi­mal erreich­ba­re Über­tra­gungs­ent­fer­nung von 127 km.

“Die meis­ten bestehen­den QD‑basierten QKD‑Systeme reagie­ren emp­find­lich auf Kanal­än­de­run­gen durch Umwelt­ein­flüs­se wie Tur­bu­len­zen, Tem­pe­ra­tur oder Vibra­tio­nen und benö­ti­gen daher akti­ve Kom­pen­sa­ti­on. Im Gegen­satz dazu bie­tet die Time-Bin‑­Ko­die­rung, bei der Qubits in der zeit­li­chen Posi­ti­on ein­zel­ner Pho­to­nen kodiert wer­den, eine intrin­si­sche Sta­bi­li­tät gegen­über sol­chen Fluk­tua­tio­nen – ohne kom­ple­xe Kom­pen­sa­ti­ons­pro­to­kol­le”, resü­miert Dr. Jing­zhong Yang vom Insti­tut für Fest­kör­per­phy­sik der Leib­niz Uni­ver­si­tät Han­no­ver (LUH). “Unse­re Ergeb­nis­se unter­strei­chen die Mach­bar­keit, QD‑Einzelphotonenquellen in sta­bi­le, feld­e­insetz­ba­re Time-Bin‑­QK­D‑­Sys­te­me zu inte­grie­ren – ein wich­ti­ger Schritt hin zu ska­lier­ba­ren, quan­ten­si­che­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­net­zen auf Basis von Festkörper‑Einzelphotonenemittern.” Hier geht’s zur Publi­ka­ti­on.

För­de­rung:
- Bun­des­mi­nis­te­ri­um für For­schung, Tech­no­lo­gie und Raum­fahrt (BMFTR): Quantenrepeater.Net (QR.N), Schirm­pro­jekt Quan­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on
  Deutsch­land (SQuaD)
und Semi­con­duc­tor Inte­gra­ted Quan­tum Opti­cal Net­work (SemI­QON)
- Euro­pean Rese­arch Coun­cil Con­so­li­da­tor Grant (ERC): Large-sca­le mul­ti­par­ti­te ent­an­gle­ment on a quan­tum metro­lo­gy net­work (MiNet)
- Quan­tERA II (Hori­zont Euro­pa 2020): Enhan­ced Quan­tum Dot Sources and Opti­cal Ato­mic Memo­ries for Tele­com­mu­ni­ca­ti­on Inter­Con­nec­ti­vi­ty
  (EQSOTIC)

- Deut­sche For­schungs­ge­mein­schaft (DFG): Zeit und Fre­quenz syn­chro­ni­sier­te Lang­stre­cken-Quan­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on (Inter­Sync)
- Exzel­lenz­stra­te­gie des Bun­des und der Län­der: Quan­tum Fron­tiers

 

Autor: © Leib­niz Uni­ver­si­tät Han­no­ver (LUH)