Projekt entwickelt skalierbare Kommunikationsinfrastruktur auf Basis verschränkungsbasierter QKD:
Die Verschlüsselungsverfahren, die unsere heutige digitale Infrastruktur schützen, stehen zunehmend unter Druck. Gründe dafür sind die stetig wachsende Rechenleistung, KI-gestützte Angriffsmethoden sowie die absehbare Verfügbarkeit kryptographisch relevanter Quantencomputer. Während die Post-Quanten-Kryptographie (engl. Post-Quantum Cryptography, PQC) die Widerstandsfähigkeit bestehender Verfahren erhöht, bietet die Quantenschlüsselverteilung (engl. Quantum Key Distribution, QKD) einen langfristigen Schutz vor sogenannten “Harvest now, decrypt later”-Angriffen. Dabei werden verschlüsselte Daten bereits heute gesammelt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt mithilfe leistungsfähiger Quantencomputer zu entschlüsseln.
Vor diesem Hintergrund ist Mitte Juni 2026 das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt CHIRON gestartet. Es vereint führende deutsche Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen mit dem Ziel, eine skalierbare Quantenkommunikationsinfrastruktur auf Basis von Quantenverschränkung aufzubauen. Diese soll Europas digitale Netzwerke gegen zukünftige Cyberbedrohungen absichern. Demonstriert wird das Netzwerk in zwei realen Testumgebungen – im städtischen Berlin und im ländlichen Thüringen –, wobei die Quantenkommunikation in bestehende IKT-Infrastruktur integriert wird. Darüber hinaus erprobt die Bundesdruckerei im Rahmen des Projekts quantengesicherte Zugangs-Token für Anwendungen in der öffentlichen Verwaltung, kritischen Infrastrukturen und dem Finanzsektor.
Bei der Umsetzung des Quantenkommunikationsnetzwerks übernimmt die Quantum Optics Jena GmbH eine wichtige Rolle. Das Unternehmen entwickelt die technologische Grundlage für die Quantenkommunikation über große Distanzen. Hierfür kommen hochbrillante Photonenquellen sowie neuartige Detektortechnologien zum Einsatz, die die Reichweite bestehender QKD-Systeme erhöhen und den Aufbau eines skalierbaren sowie wartungsfreundlichen Netzwerks ermöglichen sollen. Ein zentrales Element des Berliner Testfelds ist eine vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelte Quelle für Hyperverschränkung. Durch die Kombination verschiedener Quanteneigenschaften kann sie als Vermittlungsstelle dienen und drei Standorte im Berliner Raum zu einem voll vermaschten QKD-Netzwerk verbinden. Ergänzt wird dieser Ansatz durch ein von NewMediaNet entwickeltes, gehärtetes QKD-Betriebssystem, das gezielt gegen Angriffe auf Implementierungsebene geschützt ist. Die Hochschule Nordhausen steuert darüber hinaus Verfahren für intelligentes Key-Routing und eine bedarfsorientierte optische Vermittlungstechnik bei. Dadurch kann das Netzwerk flexibel erweitert und an wachsende Anforderungen angepasst werden, ohne Kompromisse bei Sicherheit oder Leistungsfähigkeit einzugehen. Gemeinsam schaffen die Projektpartner damit die Grundlage für eine skalierbare und quantensichere Kommunikationsinfrastruktur, die künftige digitale Systeme vor neuen Cyberbedrohungen schützen soll. Hier gibt es weitere Informationen zum Projekt.
Quellennachweis: https://thequantuminsider.com/2026/06/15/chiron-project-launches-quantum-communication-network-initiative/