Studien beleuchten Innovationspotenzial und Herausforderungen von Lichtquellen und Einzelphotonendetektoren für Quantum Key Distribution:
Leistungsfähige Quantencomputer könnten bereits in den 2030er Jahren in der Lage sein, die derzeit verwendeten Verschlüsselungsalgorithmen zu knacken. Dies birgt insbesondere für die Kommunikation sensibler Daten erhebliche Risiken. Vor diesem Hintergrund bietet die Quantenschlüsselverteilung (engl. Quantum Key Distribution, QKD), die auf dem Übertragungsweg physikalisch sichere Kommunikation auf Basis quantenmechanischer Prinzipien verspricht, eine Option zur Übermittlung streng vertraulicher Informationen. Aus diesem Grund gehört sie zu den Schlüsseltechnologien, die im Rahmen der im Juli 2025 beschlossenen Hightech Agenda Deutschland als besonders förderungswürdig gelten. In diesem Zusammenhang hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) Anfang April 2026 zwei neue Berichte veröffentlicht, die das Innovationspotenzial und die zentralen Herausforderungen für Anwendungsfälle von QKD im Detail beleuchten.
In der Roadmap “Light Sources for Quantum Key Distribution – Technology Overview and Future Perspectives” geben die Autor:innen einen Überblick über kohärente Laserquellen für QKD mit diskreten und kontinuierlichen Variablen, die Erzeugung von Photonenpaaren mittels parametrischer Fluoreszenz (engl. Spontaneous Parametric Down-Conversion, SPDC) und Vier-Wellen-Mischung (engl. Four-Wave Mixing, FWM) sowie Quantenpunktquellen und andere deterministische Emitter. Den Ergebnissen der Studie zufolge dominieren ausgereifte Laserquellen derzeitige QKD-Systeme. Dennoch macht die Erzeugung von Photonenpaaren Fortschritte, insbesondere für den Bereich der verschränkungsbasierten QKD. Quantenpunkte und andere deterministische Einzelphotonenquellen gelten als vielversprechend für zukünftige, fortschrittliche Protokolle und Quantennetzwerke. Gleichwohl besteht weiterhin technologischer Entwicklungsbedarf, vor allem im Hinblick auf Telekommunikationskompatibilität und Kosten. Für eine kommerzielle Einführung sind zudem Robustheit, hohe Wiederholungsraten, Integrationspotenzial und Kosteneffizienz entscheidend. Darüber hinaus spielen die Spezifikation und Zertifizierung von Komponenten, rückverfolgbare Messtechnik, standardisierte Charakterisierung sowie die gemeinsame Optimierung auf Systemebene mit Detektoren eine zentrale Rolle.
Die Roadmap “Photon Detectors for Quantum Key Distribution – Technology Overview and Future Perspectives” befasst sich mit Technologien für Einzelphotonen-Detektoren (engl. Single Photon Detectors, SPD) für DV-QKD und konzentriert sich dabei im Wesentlichen auf Silizium-Einzelphotonen-Lawinendioden (Si-SPADs), Indiumgalliumarsenid-/Indiumphosphid-SPADs (InGaAs/InP-SPADs) sowie supraleitende Nanodraht-Einzelphotonen-Detektoren (SNSPDs). Die Wahl des Detektors hängt vom Anwendungsszenario, der Entfernung, der Schlüsselrate, den Kosten und den Integrationsanforderungen ab. Im Bericht stellen die Autor:innen die Eignung der Detektoren für Glasfaser‑, Freiraum- und Satellitenverbindungen dar und heben dabei zentrale Zielkonflikte zwischen Leistung, Betriebsaufwand und Kosten hervor. Die Studie zeigt, dass SNSPDs eine unübertroffene Leistung bieten, höchste Schlüsselraten ermöglichen und größte Entfernungen überbrücken können – allerdings erfordern sie kryogene Kühlung. Si-SPADs sind ausgereift, kostengünstig und besonders geeignet für Freiraum- und Kurzstreckenverbindungen, eignen sich jedoch nicht für die in der faserbasierten Kommunikation üblichen Standard-Telekommunikationswellenlängen. InGaAs/InP-SPADs bieten ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistung und Einsatzfähigkeit für Glasfaser- und Freiraumverbindungen bei Telekommunikationswellenlängen, weisen jedoch vergleichsweise geringe Detektionseffizienzen und höheres Rauschen auf. Insgesamt sollte die Wahl des Detektors vom Anwendungsszenario – insbesondere von Entfernung und Schlüsselrate – abhängen, wobei auch Kosten, Kühlungsanforderungen und Integrationsbeschränkungen berücksichtigt werden müssen. Auch in diesem Bereich sind künftig weitere technologische Fortschritte zu erwarten.
Quellennachweis: https://www.linkedin.com/posts/fraunhoferisi_qkd-activity-7447176291285495808-zmA1?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAADGNcwQBDlrUEOZSLZkJAAUZiCxLCTo51No